Die 7 wichtigsten Maßnahmen bei plötzlichem Katzenstreit

Damit Harmonie wieder einkehrt helfen diese 7 Maßnahmen
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Es gibt nichts schöneres als harmonisch zusammenlebende Katzen, welche sich freundlich begrüßen, sich gegenseitig putzen, zusammengekuschelt auf dem Sofa schlafen und ab und zu spielerisch miteinander raufen. Doch leider machen einige Katzenhalter die Erfahrung, dass es zu einem plötzlichen Streit unter den Katzen kommt. Auf einmal ist nichts mehr wie bisher. Es wird gefaucht, geknurrt, sich heftig gejagt und wenn es ganz schlimm kommt, fliegen sogar die Fellbüschel. Von Harmonie ist plötzlich nichts mehr zu spüren.

Für uns Katzenhalter*innen ist diese Situation unverständlich. Warum bekriegen die Katzen sich plötzlich? Die haben sich doch sonst immer verstanden! Einerseits macht uns das wütend, anderseits stehen wir hilflos da und wollen einfach nur, dass die Harmonie wieder zurückkehrt. Dies ist in der Regel der Punkt an dem sich dann die Halter*innen sehr verzweifelt an mich wenden. Mit einer gründlichen Ursachenanalyse und den richtigen Maßnahmen konnte ich bereits mehreren Katzenhalter*innen helfen wieder Frieden zurück in den Alltag zu bringen. In diesem Blogartikel erkläre ich dir die 7 wichtigsten Maßnahmen, wie auch bei dir wieder Harmonie in deiner Katzen-WG einkehren kann.

Wenn deine Katzen plötzlich streiten, brauchst du einen klaren Plan. Diese 7 Maßnahmen helfen dir, die Situation wieder zu stabilisieren.

  1. Sorge zuerst für einen gründlichen Gesundheitscheck bei beiden Katzen. Nur so findest du heraus, ob Schmerzen oder Erkrankungen der Auslöser sind.
  2. Achte auf deinen eigenen Stresspegel. Deine innere Unruhe kann sich direkt auf deine Katzen übertragen.
  3. Überprüfe dein Fütterungsmanagement. Mehrere kleine Mahlzeiten und stressfreie Futterplätze senken Konkurrenz und Spannungen.
  4. Stelle sicher, dass jede Katze genug Ressourcen hat. Mehr Rückzugsorte, genug Toiletten und feste Einzelkuschelzeiten entlasten die Beziehung.
  5. Biete abwechslungsreiche Beschäftigung an, die zu den Bedürfnissen deiner Katzen passt. Achte darauf, dass jede Katze ihre eigenen Spielzeiten bekommt.
  6. Baue regelmäßiges Training ein. Kurze Übungen geben deinen Katzen Sicherheit und stärken ihre Impulskontrolle und Frustrationstoleranz.
  7. Trenne deine Katzen vorübergehend räumlich, wenn der Streit eskaliert. Eine strukturierte Wiederzusammenführung hilft ihnen, sich wieder entspannt zu begegnen.

Im folgenden Blogbeitrag erfährst du näheres, warum du mit diesen 7 Maßnahmen wieder Harmonie in die Katzen-WG bringst. Dabei erzähle ich dir von meinen Erfahrungen mit meinen eigenen Katzen und in meinen Beratungen.

Lass als erstes deine Katzen (und zwar beide!) gründlich medizinisch untersuchen.

Auch wenn deine Katzen keine Symptome wie z.B. Durchfall, Erbrechen oder Unsauberkeit zeigen, lasse dich nicht nur mit einer äußerlichen Allgemeinuntersuchung abspeisen! Bei vielen Beratungen bekomme ich die Antwort, dass die Katzen gesund wären und der Tierarzt nichts feststellen konnte. Wenn ich dann genauer hinterfrage, was genau untersucht wurde, dann kommt raus, dass sich der Tierarzt die Katze lediglich äußerlich angesehen hat. Sorry, aber das reicht nicht aus, um Erkrankungen ausschließen zu können! Dazu ist eine intensive Diagnostik wie ein großes Blutbild, Röntgen von Zähnen und Gelenken, Ultraschall des Bauchraumes und evtl. auch Kot- und/oder Urinuntersuchungen notwendig. Ein intensiver Gesundheitscheck schafft Klarheit, verhindert Missverständnisse und gibt dir die Sicherheit, dass die Aggression nicht krankheitsbedingt ist.

Erklärung:

Körperliches Unwohlsein ist eine der häufigsten Ursachen für plötzliche Aggressionen unter Katzen. Unsere Katzen sind Meister darin, ihre Schmerzen zu verbergen, wobei es sich um einen instinktiven Schutzmechanismus handelt. Denn Katzen sind nicht nur Beutegreifer, sondern können von größeren Tieren selbst zur Beute werden. Daher dürfen die Katzen Schwächen nach außen hin nicht direkt zeigen. Uns fällt es daher schwer zu erkennen, dass es der Katze nicht gut geht. Doch Schmerzen an den Zähnen oder den Gelenken, Verdauungsprobleme oder hormonelle Veränderungen wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion führen dazu, dass die Katze schneller gereizt ist, Ressourcen intensiver verteidigt werden oder sie Nähe unangenehm empfindet. Katzen mit Arthrose beispielsweise reagieren möglicherweise bei Berührungen ihrer Gelenke mit fauchen, beißen oder kratzen. Es gibt einige Studien, bei denen gezeigt werden konnte, dass schmerzbedingtes Verhalten oft als Aggression interpretiert wird, obwohl es eigentlich ein Ausdruck von Selbstschutz ist.

Die Erfahrung, dass bei Schmerzen die Zündschnur deutlich kürzer ist, habe ich bei meinem Diego selbst erlebt. Aufgrund von Zahnschmerzen und Arthrose zeigte er nicht nur den anderen Katzen gegenüber häufig aggressives Verhalten, sondern auch ich wurde bei einer falschen Berührung geknapst oder gekratzt. Nach der Zahn-OP und einer Schmerztherapie mit Solensia ist er wieder deutlich entspannter zu mir und den anderen Katzen.

Interessanterweise kann es auch vorkommen, dass eine Katze aggressiv wird, weil ihre Mitbewohnerin krank oder geschwächt ist. Veränderungen in Bewegung, Geruch oder Verhalten einer kranken Katze können die gesunde Katze unsicher werden lassen, die andere Katze vielleicht sogar als Gefahr sehen, so dass diese dann massiv aggressiv reagiert. Ich hatte erst kürzlich einen Beratungsfall, bei dem ein sonst sozialer und entspannter Kater plötzlich begann, seine Mitbewohnerin anzufauchen, sie zu jagen und auch anzugreifen. Die Kätzin zog sich immer mehr zurück und wurde unsauber. Nach einem Tierarztbesuch stellte sich heraus, dass die Kätzin eine gesundheitliche Baustelle war. Die Blutergebnisse und Urinproben zeigten nicht nur eine akute Blasenentzündung, sondern auch eine Schilddrüsenüberfunktion, eine beginnende Niereninsuffizienz und Zahnschmerzen. Daher sollte grundsätzlich nicht nur die aggressive Katze, sondern immer auch die andere Katze medizinisch näher untersucht werden.

2. Emotionale Übertragung vermeiden

Ein meist unbeachteter, aber wichtiger Punkt ist, dass du als Mensch einen großen Einfluss auf die Gefühlslage deiner Katzen hast. Fühle daher mal selbst in dich hinein und überprüfe wie gestresst du im Alltag bist. Bist du oft in Hektik, frustriert, ängstlich oder verärgert? Arbeite an deinem eigenen Stressmanagement z.B. mit bewussten Auszeiten, Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen und ausreichend Schlaf.

Versuche außerdem bei Streit unter deinen Katzen selbst ruhig und besonnen zu bleiben und die Katzen mit ruhiger Stimme voneinander zu trennen und positive Erlebnisse folgen zu lassen. Wie du das genau machst, erkläre ich dir in meinen 0€-Guide: Sofortmaßnahmen zur Streitschlichtung.

Erklärung:

Unsere Stimmung beeinflusst das Gemüt unserer Katzen stärker, als viele denken. Stress, Hektik oder Frustration bei Menschen können sich direkt auf das Verhalten der Katzen übertragen. Sie nehmen emotionale Signale wahr und reagieren sensibel auf Körpersprache, Stimme und Geruch. Dies wurde bereits in mehreren Studien bestätigt. In der 2019 veröffentlichten Studie “Owner personality and the wellbeing of their cat” wurde der Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen von Katzenbesitzern und dem Wohlbefinden ihrer Katzen untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass gestresste, ängstliche oder neurotische Besitzer oft Katzen hatten, die Verhaltensprobleme, Übergewicht oder stressbedingte Krankheiten aufwiesen. Dies deutet darauf hin, dass der Stress des Menschen sich direkt auf das Tier übertragen kann.

Wenn deine Katzen häufiger streiten und du dann unüberlegt oder streng reagierst, kann das die Konfliktsituation verschärfen. Deine Katzen in diesem Moment zu bestrafen ist keine gute Idee, ganz im Gegenteil: Sie lernen nicht, Konflikte besser zu lösen, sondern entwickeln Angst oder Misstrauen, was zu eher zu häufigeren und heftigeren Konflikten führt. (Lies dazu auch meinen Blogartikel: „Warum Strafen deiner Katzen mehr schaden als helfen„)

Ruhe, Besonnenheit und klare, stressfreie Handlungen sind entscheidend. Wer es schafft sich selbst zu beruhigen, wirkt wie ein Sicherheitsanker, wodurch angespannte Situationen zwischen Katzen entschärft werden können.

Ich habe selbst gemerkt, wie stark die Wirkung ist, wenn man in Konfliktsituationen unter Katzen ruhig bleibt. Anfangs reagierte ich selbst wütend und genervt dem angreifenden Kater gegenüber. Das machte es jedoch immer schlimmer, die Konflikte traten immer häufiger auf und wurden immer heftiger. Erst als ich begann, bewusst ruhig zu bleiben, früher einzugreifen und den Kater nicht mehr streng, sondern freundlich anzusprechen, veränderte sich die Situation spürbar. Statt laut zu werden oder ihn zu bedrängen, lenkte ich seine Aufmerksamkeit gezielt um und schuf Abstand, bevor der Konflikt eskalierte. Genau das wirkte am Ende als Wendepunkt. Die Spannungen nahmen ab, die Ausbrüche wurden seltener und vor allem weniger heftig. Rückblickend war nicht mehr Kontrolle der Schlüssel, sondern weniger Druck und mehr Ruhe. Wie genau du das umsetzen kannst, habe ich in meinem 0€-Guide beschrieben.

3. Fütterungsmanagement überprüfen

Füttere deine Katze nicht nur morgens und abends, sondern füttere über den Tag verteilt 4 bis 6 kleine, statt nur zwei großer Mahlzeiten. Stelle die Futternäpfe nicht direkt nebeneinander, sondern weit voneinander entfernt hin. In manchen Fällen ist es auch ratsam die unsichere Katze in einer erhöhten Position oder sogar in einem anderen Raum fressen zu lassen.

Während deiner Abwesenheiten und in der Nacht kannst du sehr gut Futterautomaten und Intelligenzspielzeuge oder Fummelbretter (Activity Boards bzw. Puzzle Feeder) nutzen.

Erklärung:

Ein großer Stressfaktor für Katzen ist HUNGER. Viele Katzenhalter*innen füttern nur morgens und abends große Portionen. Dann ist es jedoch kein Wunder, wenn es insbesondere vor der Fütterung häufig zu Konflikten unter den Katzen kommt. Futter ist eine wichtige Ressource und Hunger führt zu gereiztem Verhalten. Ich kenne das von mir selbst. Wenn ich längere Zeit nichts mehr gegessen habe, dann reagiere ich bereits auf Kleinigkeiten sehr gereizt und bin auch sehr ungeduldig, wenn es dann endlich was zu essen gibt. Deinen Katzen geht es genauso, denn zwei Mahlzeiten am Tag sind definitiv zu wenig.

Katzen sind von Natur aus sog. “Häppchen-” oder “Snack”-Fresser und fangen in freier Wildbahn mehrere kleine Beutetiere pro Tag, was zu 10-20 kleinen Mahlzeiten führen kann. Zu wenige Mahlzeiten am Tag führen daher zu Frustration, Konzentrationsverlust und einem höheren Aggressionspotenzial. Viele kleine Mahlzeiten verteilen den Energiehaushalt gleichmäßiger, verhindern Hungerstress und reduzieren Konkurrenzsituationen. Zusätzlich bietet Futterbeschäftigung eine mentale Herausforderung: Trockenfutter oder Leckerlis in Intelligenzspielzeugen oder versteckt in der Wohnung zu suchen, aktiviert den natürlichen Jagdtrieb und mindert Langeweile, was wiederum die Wahrscheinlichkeit von Konflikten senkt.

Ich habe diese Zusammenhänge auch in meinem eigenen Alltag erlebt. Erst als ich die Fütterung umgestellt habe auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt und dabei die individuellen Vorlieben und Bedürfnisse meiner Katzen berücksichtigt habe, wurde die Stimmung spürbar entspannter. Umgekehrt merke ich sehr schnell, wenn die Abstände zwischen den Mahlzeiten zu groß werden. Dann steigt die innere Unruhe, die Reizschwelle sinkt und kleine Auslöser reichen aus, um Spannungen entstehen zu lassen.

4. Ressourcen im Überfluss anbieten – Konkurrenz vermeiden

Schaue dir deine Wohnsituation mal genau an! Gibt es ausreichend Ressourcen für alle Katzen? Mit Ressourcen meine ich nicht nur ausreichend Futter, Wasser und Katzenklos, sondern auch Kratzmöglichkeiten, Spielzeug, Aussichtsplätze am Fenster, erhöhte Plätze für eine besser Übersicht, aber auch Schlaf- und Rückzugsorte, wo die Katzen ungestört sein können.

Grundsätzlich gilt die Regel: Anzahl der Katzen = Anzahl der Ressourcen + 1

Die Ressourcen sollten im gesamten Wohnbereich verteilt vorliegen, so dass sich die Katzen auch mal aus dem Weg gehen können. Jede Katze sollte ohne Blockade oder nervöse Blicke der anderen zu ihren wichtigen Plätzen gelangen. Dies ist vor allem für die Katzenklos wichtig. Viele Katzen meiden bestimmte Klos, wenn diese zu nah beieinanderstehen oder wenn sich eine dominante Katze immer wieder in den Weg stellt oder ihr auflauert, wenn sie aus dem Klo kommt.

Denke außerdem daran, dass du selbst für deine Katzen eine wertvolle Ressource bist. Zuwendung, Nähe und Interaktion sind wertvolle soziale Güter, die Katzen aktiv einfordern. Wenn die eine Katze ständig dazwischen läuft, sobald du die andere streichelst, ist das kein Zufall. Es ist ein Ausdruck von Verunsicherung oder Konkurrenz. Damit sich keine Katze benachteiligt fühlt, ist es wichtig, bewusst getrennte Kuschelzeiten einzubauen, bei denen wirklich nur eine Katze deine Aufmerksamkeit bekommt. Diese persönlichen Momente sollten geschützt sein. Achte darauf, dass die andere Katze in dieser Zeit beschäftigt oder räumlich etwas abseits ist, damit die entspannende Nähe nicht unterbrochen wird.

Erklärung:
Konflikte entstehen häufig, wenn Katzen das Gefühl haben, dass Ressourcen knapp sind. Die Konkurrenz um Futter, Liegeplätze oder Toiletten erhöht das Stresslevel und fördert Konflikte. Unnötige Engstellen und schlecht verteilte Ressourcen können zu Vermeidungsverhalten, Anspannung und schließlich zu offenem Streit führen.

Auch soziale Interaktionen zum Menschen zählen zu den wichtigen Ressourcen. Wenn eine Katze das Gefühl hat, dass sie weniger Zuwendung erhält, entsteht Unsicherheit, die sich schnell auf das Miteinander überträgt. Geschützte Einzelzeit mit dem Menschen beruhigt und stärkt die Bindung, wodurch das Sicherheitsgefühl steigt und Konkurrenzverhalten sinkt.

In meinen Beratungen habe ich leider schon oft festgestellt, dass den Katzen zu wenig Liegeplätze, Plätze am Fenster oder Höhlen zur Verfügung gestellt werden. Besonders schwer tun sich viele Halter*innen damit erhöhte Plätze anzubieten. Aber gerade im Mehrkatzenhaushalt können erhöhte Plätze essentiell sein, damit sich die unsichere Katze in eine bessere Position zur anderen Katze begeben kann.

5. Viel Spiel und abwechslungsreiche Beschäftigung anbieten

Biete deinen Katzen täglich Beschäftigung an, die Körper und Sinne anregt. Nutze Jagdspiele, Stocherspiele, Schnüffelaufgaben, Ballspiele, Duftspielzeug oder Raufkumpel aus Stoff oder Pappe. Achte darauf, dass jede Katze individuelle Spielzeiten bekommt und nicht durch den Mitbewohner gestört wird. Berücksichtige dabei, dass viele Kater körperlicher spielen möchten, während viele Kätzinnen eher Jagdabläufe und kontrollierte Bewegungen bevorzugen.
Passe die Beschäftigung auch an das Alter und die Persönlichkeitsentwicklung an. Gerade ab zwei bis drei Jahren verändern viele Katzen ihre Vorlieben. Gestalte deshalb abwechslungsreiche Angebote, damit beide Katzen ihre persönlichen Bedürfnisse ausleben können.

Erklärung:
Langeweile ist ein unterschätzter Aggressionstreiber. Ohne regelmäßige Auslastung steigt das Erregungsniveau und die Katze sucht sich unbewusst ein Ventil. Oft trifft es dann den Mitbewohner. Studien zur Verhaltensanreicherung zeigen deutlich, dass abwechslungsreiche Beschäftigung Stresshormone reduziert, das Wohlbefinden steigert und impulsives Verhalten mindert.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die Veränderungen im Erwachsenenalter spielen dabei eine große Rolle. Ein raufbegeisterter Kater überfordert eine ruhiger werdende Katze schnell. Wenn unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, steigt das Risiko für Streit. Durch individuelle Spielangebote erhält jede Katze Erfolgserlebnisse und kann ihren natürlichen Bedürfnissen folgen, ohne die andere Katze zu bedrängen.

Spiel und Beschäftigung wird auch oft bei Katzen mit Freigang vernachlässigt. Aber gerade bei Freigängern kommt es schnell zu Frust und Aggression, wenn das Wetter draußen nass und kalt ist. Jetzt im Winter gehen meine drei Kater oft nur mal kurz raus, meist nur für den Toilettengang. Im Winter sind sie also fast Wohnungskatzen. Ich merke, dass die Stimmung schnell untereinander kippt, wenn ich mich nicht ausreichend mit ihnen beschäftigte und Ventile zum Abbau von Anspannungen und Energie anbiete.

6. Training und geistige Auslastung

Training ist ein echter Gamechanger. Kurze Einheiten mit dem Clicker, z.B. Targettraining oder einfache Tricks helfen deinen Katzen nicht nur, ihre Energie bewusst zu lenken, sondern geben ihnen ein Gefühl von Kontrolle. Viele Katzen wirken nach wenigen Minuten Training entspannter, weil sie verstanden haben, dass sie aktiv Einfluss auf ihre Umgebung nehmen können.

Trainiere am Anfang mit beiden Katzen einzeln. Besonders die unsichere oder unterlegene Katze profitiert davon, wenn sie in Ruhe Erfolgserlebnisse sammelt. Du schaffst damit eine Basis für mehr Selbstvertrauen und weniger impulsive Reaktionen im Alltag. Trainiere mit kleinen Schritten, damit die Katzen Erfolgserlebnisse sammeln und die Übungen stressfrei bleiben. Nach dem Einüben einiger Tricks und einem Sitzplatztarget kann dazu übergangen werden mit beiden Katzen zusammen zu trainieren.

Erklärung:
Geistige Auslastung stärkt die Selbstwirksamkeit. Wenn eine Katze im Training etwas schafft und dafür eine Belohnung erhält, entsteht innere Stabilität. Das baut Stress ab, fördert Frustrationstoleranz und hilft den Katzen, mit aufregenden Situationen besser umzugehen.
Studien zur kognitiven Förderung bei Katzen zeigen, dass mentale Herausforderungen ebenso wichtig sind wie körperliche Auslastung. Katzen, die regelmäßig trainiert werden, zeigen eine bessere Impulskontrolle und reagieren in Konfliktsituationen überlegter. Gerade in Haushalten, in denen es zu Streit kommt, kann Training emotionale Stabilität schaffen. Es fördert zudem die Bindung zwischen dir und jeder einzelnen Katze und du erkennst deutlich schneller, wenn sich etwas anbahnt.

Das Training mit meinen drei Katern war der absolute Gamechanger. Mein Reiki wurde viel selbstbewusster und lässt sich von Diego nicht mehr so schnell beeindrucken. Bei Diego ist die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz deutlich verbessert worden und ich kann ihn schneller und einfacher umlenken und wieder entspannen, wenn ich merke, dass er kurz davor ist, in eine emotionale Überreaktion zu fallen.

7. Räumliche Trennung

In vielen Fällen geht es nicht ohne einen kompletten Kontaktabbruch. Wenn eine Katze schon mehrfach angegriffen wurde, Angst zeigt und sich nicht mehr aus ihrem Versteck traut, ist eine räumliche Trennung oft die einzige Möglichkeit, die Situation zu entschärfen. Das bedeutet nicht, dass deine Katzen für immer getrennt leben müssen. Es ist eher ein Reset, der beiden Katzen eine Verschnaufpause gibt.

Jede Katze bekommt in dieser Phase einen eigenen Bereich mit Futter, Wasser, Toiletten, Kratzmöglichkeiten, Rückzugsplätzen und positiven Erlebnissen. Erst wenn beide wieder entspannt wirken und du keine Stresssignale mehr beobachtest, beginnt eine systematische Wiederzusammenführung an einer Gittertür. Diese erfolgt langsam, über kontrollierte Sichtkontakte, Geruchsaustausch und kurze gemeinsame positive Erlebnisse.

Erklärung:
Wenn sich zwei Katzen bisher super verstanden haben und es kommt zu heftigen aggressiven Verhalten einer Katze gegenüber der anderen, handelt es sich häufig um eine umgerichtete Aggression. Diese entsteht, wenn eine Katze plötzlich stark emotional erregt wird, ihren Auslöser aber nicht erreichen kann und die aufgestaute Erregung sich stattdessen gegen ein anderes, eigentlich unbeteiligtes Ziel richtet. Typische Auslöser sind der Anblick einer fremden Katze durchs Fenster, ein lautes oder unerwartetes Geräusch oder eine schmerzhafte Situation. Die Katze gerät dabei in einen Zustand hoher physiologischer Aktivierung, Stresshormone steigen an, die Impulskontrolle sinkt deutlich. Trifft sie in diesem Moment auf eine andere Katze im Haushalt, kann es zu einem heftigen Angriff kommen, obwohl zwischen beiden vorher keine Konflikte bestanden.

Wichtig ist, dass diese Aggression nicht „gegen“ die andere Katze gerichtet ist, sondern eine Fehlumleitung von Angst, Frust oder Erregung darstellt. Das erklärt auch, warum solche Vorfälle für Halter oft völlig überraschend wirken und warum sich die Beziehung der Katzen danach nachhaltig verändern kann, wenn nicht gezielt gegengesteuert wird.

Wenn Konflikte zu oft auftreten und die Angst einmal da ist, wird jede weitere Begegnung durch ein angespanntes Nervensystem gefiltert. Das Gehirn speichert negative Erfahrungen sehr schnell ab. Die Konflikte und die Angst werden dadurch bei jeder Begegnung immer schlimmer. Eine Trennungsphase ohne Sichtkontakt senkt die Erregung und gibt beiden Katzen die Chance, sich emotional zu stabilisieren. Der Wiederannäherungsprozess braucht Geduld, verläuft aber in vielen Fällen sehr erfolgreich, wenn er gut strukturiert ist. Das Ziel dabei ist, dass aus den negativen Emotionen beim Anblick der anderen Katze wieder positive oder zumindest neutrale Gefühle entstehen, so dass sich beide wieder entspannt begegnen können.

In meinen Beratungen konnte ich mit einer systematischen Wiederzusammenführung schon vielen verzweifelten Katzenhaltern und Katzenhalterinnen helfen, dass die Katzen wieder in Harmonie zusammenleben können.

Meine Unterstützung

Wenn du merkst, dass die Stimmung zwischen deinen Katzen kippt oder eine Trennung bereits nötig war, lohnt es sich früh Unterstützung zu holen. Viele Konflikte lassen sich entschärfen, wenn man die richtigen Stellschrauben kennt und die Bedürfnisse beider Katzen ernst nimmt. Gerade eine Wiedervergesellschaftung braucht einen klaren, strukturierten Ablauf, damit sie nicht wieder scheitert. Ohne Plan entsteht schnell neuer Stress, der die Situation weiter verhärtet.

Wenn du dir bei diesem Prozess Begleitung wünschst, stehe ich dir gern zur Seite. In meiner Katzenverhaltensberatung schauen wir uns die individuelle Dynamik genau an und entwickeln einen Weg, der zu deinem Alltag und zum Wesen deiner Katzen passt. Melde dich einfach, wenn du bereit bist, die nächsten Schritte anzugehen.

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