Wenn der Verlust der Katze schmerzt: Wie unsere Trauer zu Fehlentscheidungen führt

Katze liegt auf dem Tisch: Braucht SIE eine neue Partnerkatze oder DU?
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Nach dem Tod einer Katze entsteht eine Leere, die man kaum beschreiben kann. Die Stille im Haus wirkt plötzlich schwer, Routinen brechen weg und man ertappt sich immer wieder dabei, nach einem Tier zu schauen, das nicht mehr da ist. Für viele Halter entsteht genau in dieser Lücke der Gedanke, dass die verbliebene Katze nun bestimmt einsam ist. Dass sie einen neuen Partner braucht. Dass wir ihr diese Einsamkeit ersparen müssen. 

Ich verstehe diesen Impuls, denn ich war selbst an genau diesem Punkt. 

Als mein Kater Rusty wegen eines Herztumors eingeschläfert werden musste, blieb Diego zurück. Rusty und Diego kamen gut miteinander aus, aber sie waren kein innig verschmolzenes Duo. Sie existierten miteinander, nicht füreinander. Trotzdem war das Gefühl für mich eindeutig. Eine Katze allein reichte mir nicht. Ich empfand die Leere als kaum auszuhalten. Und anstatt einmal tief zu atmen und zu schauen, was Diego braucht, hörte ich nur auf mein eigenes Bedürfnis. 

Ganz tief in mir wusste ich, dass Diego als Freigänger sehr gut alleine zurechtkam und nicht unbedingt eine neue Partnerkatze brauchte. Aber nur Diego im Haus fühlte sich für mich so falsch an. Ich redete mir ein, dass Diego Gesellschaft brauchen würde. Heute weiß ich, dass das eine Ausrede war. Ich wollte meine eigene Leere füllen. 

Wir suchten ohne wirkliche Überlegung eine neue Katze im Tierheim aus. Sie war scheu, hatte aber auch diesen neugierigen Blick. Mein Bauch sagte mir, dass sie die Richtige sei. Doch in dem Moment hatte ich nicht mehr meinen Diego im Kopf und überhaupt nicht überlegt, ob die zwei zueinander passen. Kein einziger Schritt bei der Vergesellschaftung war bedacht. Ich folgte nur meinem Wunsch, wieder eine zweite Katze haben zu wollen. Die Vergesellschaftung scheiterte auf ganzer Linie. Beide Katzen reagierten sehr emotional aufeinander. Ich musste mir eingestehen, dass meine Entscheidung mehr Schaden angerichtet hatte, als ich jemals erwartet hatte. Als Kiara in den Freigang durfte, kam sie nicht mehr nach Hause, zu groß war ihre Angst vor Diego. Ich verteilte in der Nachbarschaft Suchplakate und teilte meine Suchmeldung in sämtlichen Ortsgruppen. Sie wurde glücklicherweise von Nachbarn zwei Straßen weiter entdeckt und angefüttert. Die Familie bekam einen Bezug zu ihr und Kiara fand ihr neues zu Hause bei Ihnen. Ich wusste, dass es bei uns mit Diego nicht funktionieren würde. Ich bin heute noch dankbar, dass die liebe Familie Kiara so herzlich bei sich aufgenommen hatte. 

Und trotzdem lernte ich nicht daraus. Wir adoptierten wenige Monate später zwei junge Katzen aus Spanien: Pirate und Reiki. Diesmal lief die erste Phase der Vergesellschaftung erstaunlich gut und ich war total happy, doch sobald die beiden neuen auch in den Freigang durften, krachte es zwischen Reiki und Diego. Es kostete Zeit, Energie und Unterstützung, um die Lage wieder zu stabilisieren. Die beiden tolerieren sich heute. Das ist ein Erfolg, und ich bin dankbar dafür. Doch es gibt immer wieder schwierige Phasen, in denen ich deeskalierend eingreifen muss. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass Diego ohne die beiden anderen ein entspannteres Leben führen würde. Diese Erkenntnis tut immer noch weh. Aber sie hat meinen Blick auf die Notwendigkeit neuer Partnerkatzen für immer verändert. 

Wenn wir Menschen trauern

Ich verstehe jeden, der nach dem Tod seiner Katze wieder eine aufnehmen möchte. Es fühlt sich sinnstiftend an, einer neuen Katze ein Zuhause zu geben. Doch Trauer lässt sich nicht „wegadoptieren“. Wenn wir aus einem impulsiven Bedürfnis heraus handeln, treffen wir oft Entscheidungen, die weder für uns noch für die zurückgebliebene Zweitkatze gut sind. 

Denn wenn die Zusammenführung dann schiefgeht, ist das Drama groß. Die neue Katze ist längst ins Herz geschlossen und man will sie nicht wieder abgeben, doch beide Katzen leiden dauerhaft unter der Situation. Genau an diesem Punkt kommen viele Halterinnen verzweifelt zu mir in die Beratung. 

Ich weiß, wie weh es tut, diesen Fehler zu erkennen. Aber es ist ein notwendiger Schritt, um wirklich im Sinne der Katze zu handeln. 

Wie Katzen trauern 

Katzen trauern tatsächlich. Nur anders als wir. Sie reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrer sozialen Umgebung. Wenn der vertraute Geruch, die Routine und die Kommunikation mit dem Partner plötzlich fehlen, geraten sie emotional aus dem Gleichgewicht. 

Oft folgt zunächst eine Phase des Suchverhaltens: Die Katze schnüffelt an den alten Schlafplätzen, ruft oder läuft rastlos durch die Wohnung. Manche wirken dann still, schlafen viel, fressen weniger oder ziehen sich zurück. Andere suchen vermehrt Nähe zum Menschen. All das sind Ausdrucksformen von Verlust. Viele Halter möchten diesen Schmerz schnell lindern und denken, dass eine neue Katze Trost spenden könnte. Doch aus Sicht der Katze ist das selten eine gute Idee. 

Diese Trauerphase ist wichtig, denn sie hilft der Katze, sich an die neue Situation anzupassen. Nach einigen Wochen oder Monaten stabilisiert sich das Verhalten meist wieder. Viele Katzen finden dann zurück in ihren Rhythmus. Es gibt auch Katzen, die nach der Trauerphase richtig aufblühen. Sie wirken entspannter, schlafen besser, suchen mehr Nähe zu ihren Menschen und genießen es, alle Ressourcen (Futterplätze, Liegeflächen, Aufmerksamkeit) für sich zu haben. Manche Katzen waren in der alten Konstellation vielleicht sogar latent gestresst, ohne dass es uns aufgefallen ist. Erst wenn sie allein sind, zeigen sie, wie gut sie zur Ruhe kommen können. 

Warum eine neue Katze zu einer älteren Katze oft keine Lösung ist 

Insbesondere für ältere Katzen bedeutet eine neue Katze nicht „Gesellschaft“, sondern zunächst einmal „Eindringling“. Der vertraute Geruch des verstorbenen Partners, die eingespielten Abläufe, die geteilten Rückzugsorte, all das ist weg. Eine neue Katze bringt Unruhe, fremde Gerüche und andere Kommunikationsmuster mit sich. Was von uns gut gemeint ist, kann für die verbliebene Katze massiven Stress bedeuten. 

An dieser Stelle möchte ich Sabine Schroll zitieren, da ich diesen Vergleich so treffend finde:


„Katze ist nicht gleich Katze. Eine verstorbene Katze durch eine neue zu ersetzen wäre genauso unsinnig, wie einem Menschen den verstorbenen Lebenspartner durch den erstbesten Obdachlosen am Frühstückstisch ersetzen zu wollen, weil dieser ein Heim braucht und jener nicht so allein sein soll“

Sabine Schroll, aus ihrem Buch: Lauter reizende … alte Katzen!

Besonders heikel wird es, wenn man eine junge, lebhafte Katze zu einer alten Katze dazuholt. Dahinter steckt oft unbewusst der Wunsch, etwas „Neues“ und Unbeschwertes zu erleben. Und wenn wir ehrlich sind, gibt es noch einen weiteren Punkt. Die Angst vor erneutem Schmerz. Eine junge Katze bedeutet rein statistisch viele gemeinsame Jahre. Ein altes Tier aufzunehmen klingt für viele nach dem Risiko, bald wieder durch dieselbe Trauer zu müssen.  

Der Altersunterschied führt jedoch oft dazu, dass die Bedürfnisse völlig auseinandergehen: Die ältere Katze möchte Ruhe, Routine und Sicherheit. Die junge Katze will spielen, toben und erkunden. Das kann auf Dauer zu Überforderung, Rückzug oder gar Aggression führen. Wenn es unbedingt eine junge Katze sein soll, sollte sie wenigstens einen gleichaltrigen Spielpartner haben, also zwei Jungtiere, die sich miteinander beschäftigen können. 

Was alte Katzen wirklich brauchen 

Nach dem Verlust eines Partners brauchen ältere Katzen in erster Linie Stabilität. Rituale, Sicherheit und emotionale Nähe zu ihren Menschen sind jetzt wichtiger als je zuvor. Die Routine sollte beibehalten werden, der Tagesablauf ruhig und berechenbar sein. Zuneigung darf angeboten, aber nicht aufgedrängt werden. Manche Katzen trauern leise und ziehen sich zurück, andere suchen intensiveren Kontakt. 

Du kannst deiner Katze helfen, indem du: 

  • ihre gewohnten Rückzugsorte unverändert lässt, 
  • ihre Lieblingsbeschäftigungen beibehältst, 
  • ihr sanftes Beschäftigungs- oder Clickertraining anbietest, um mentale Anreize zu schaffen, 
  • sie in ihrem Tempo trauern lässt, ohne sie mit neuen Reizen zu überfordern. 

Mit der Zeit zeigt sich, ob sie dauerhaft allein zufrieden ist oder wieder Interesse an Katzengesellschaft zeigt. Dann kann man, mit viel Geduld und guter Vorbereitung, über eine passende Partnerkatze nachdenken. Doch das sollte niemals eine spontane Entscheidung aus Mitgefühl sein, sondern ein sorgfältig geplanter Schritt im Sinne der verbliebenen Katze.  

Katzen, die harmonieren sollen, brauchen ähnliche Charakterzüge, ein vergleichbares Energielevel und eine ähnliche Kommunikationsweise. Eine neue Katze „auf Verdacht“ dazu holen, funktioniert selten. Auch wenn die alte Katze früher sehr sozial war, heißt das nicht, dass sie in höherem Alter noch bereit ist, neue Bindungen einzugehen. 

Lies dazu gerne auch meinen Blogartikel Auswahl einer Zweitkatze – nicht kopflos, sondern mit Verstand!

Ein ehrlicher Blick auf die eigenen Motive 

Bevor du also eine neue Katze aufnimmst, solltest du dich ehrlich fragen: Will ich das – oder will meine Katze das? Kann meine Katze wirklich wieder eine Partnerschaft eingehen, oder braucht sie einfach Ruhe und Sicherheit? 

Wenn du gerade in dieser Situation bist 

Vielleicht hast du eine neue Katze aufgenommen und merkst nun, dass es nicht so harmonisch läuft, wie du es dir erhofft hast. Oder du stehst gerade vor der Entscheidung, ob deine verbliebene Katze wieder Gesellschaft bekommen sollte. 

Beides sind sensible Momente, in denen man leicht zweifelt, sich Vorwürfe macht oder einfach nicht mehr weiß, was richtig ist. Genau dafür biete ich eine individuelle Verhaltensberatung an, um dich dabei zu unterstützen, die Situation realistisch einzuschätzen und Lösungen zu finden, die für alle Katzen im Haushalt tragbar sind. 

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