Können Katzen Alpträume haben?

Schlafende Katze mit der Frage: Können Katzen Alpträume haben?
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Katzen schlafen nicht nur, sie träumen vermutlich auch. Doch können sie dabei genauso wie wir Menschen Albträume erleben? Eine ungewöhnliche Beobachtung bei meinem eigenen Kater hat mich dazu gebracht, mich genauer mit dieser Frage zu beschäftigen.

Hat mein Kater einen Albtraum gehabt?

Vor Kurzem habe ich etwas bei einem meiner Kater beobachtet, das mich ziemlich nachdenklich gemacht hat.

Ich war morgens im Badezimmer, habe mir die Haare geföhnt und mich anschließend geschminkt. Mein Kater lag währenddessen ganz entspannt neben mir auf einem Stuhl. Obwohl der Fön ziemlich laut war und ich auch mit Haarspray hantierte, ließ er sich davon überhaupt nicht stören. Im Gegenteil, er schlief irgendwann sogar ein.

Während ich mich schminkte, schreckte er plötzlich aus dem Schlaf hoch. Er stand auf, knurrte und gab deutliche Abwehrlaute von sich. Dabei wirkte er richtig orientierungslos, als müsste er sich erst einmal wieder zurechtfinden.

Ich war ziemlich verwundert, denn es war überhaupt nichts passiert. Keine andere Katze war ins Badezimmer gekommen, es gab kein plötzliches Geräusch und auch sonst konnte ich keinen Auslöser erkennen.

Als ich ihn beruhigend streicheln wollte, zeigte er mir durch seine Körpersprache und seine Lautäußerungen sehr deutlich, dass er gerade keinen Kontakt wollte. Natürlich habe ich das respektiert und mich wieder zurückgezogen.

Kurz darauf legte er sich wieder hin und begann zu schnurren. Allerdings wirkte er auf mich noch nicht wirklich entspannt. Das Schnurren erinnerte mich eher an das Verhalten, das Katzen auch in unangenehmen oder stressigen Situationen zeigen können.

Und da kam mir plötzlich ein Gedanke: Könnte mein Kater gerade einen Albtraum gehabt haben?

Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen. Also habe ich mich auf die Suche nach wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Träumen bei Katzen gemacht.

Träumen Katzen überhaupt?

Wenn wir schlafende Katzen beobachten, können wir manchmal sehen, wie ihre Pfoten zucken, die Ohren sich bewegen oder die Schnurrhaare zittern. Manche Katzen geben sogar leise Laute von sich.

Solche Bewegungen treten unter anderem während des sogenannten REM-Schlafs auf. REM steht für Rapid Eye Movement, also schnelle Augenbewegungen. Diese Schlafphase gibt es sowohl beim Menschen als auch bei Katzen und vielen anderen Säugetieren.

Während des REM-Schlafs ist das Gehirn sehr aktiv. Gleichzeitig wird die Skelettmuskulatur weitgehend gehemmt. Diese Muskelhemmung verhindert, dass die im Gehirn entstehenden Bewegungsimpulse vollständig ausgeführt werden.

Beim Menschen steht der REM-Schlaf in engem Zusammenhang mit lebhaften Träumen. Allerdings können Träume auch in anderen Schlafphasen auftreten.

Dass Katzen ebenfalls REM-Schlaf haben, ist bereits seit vielen Jahrzehnten wissenschaftlich belegt. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Untersuchungen des französischen Schlafforschers Michel Jouvet.

Was die Forschung über Katzenträume herausgefunden hat

Bereits in den 1960er-Jahren untersuchte Michel Jouvet die Vorgänge im Gehirn schlafender Katzen. Dabei entdeckte er, welche Bedeutung bestimmte Bereiche des Hirnstamms für die Muskelhemmung während des REM-Schlafs haben.

In seinen Experimenten wurde diese Muskelhemmung durch gezielte Eingriffe in das Gehirn aufgehoben. Die Katzen zeigten daraufhin während des REM-Schlafs plötzlich komplexe Bewegungsabläufe.

Sie hoben beispielsweise den Kopf, bewegten sich umher oder zeigten Verhaltensweisen, die an Jagd- und Angriffsbewegungen erinnerten. Und das, obwohl die Messungen weiterhin darauf hindeuteten, dass sie schliefen.

Spätere Untersuchungen bestätigten diese Beobachtungen. So beschrieben Henley und Morrison bereits 1974 entsprechende Bewegungsmuster bei Katzen, deren Muskelhemmung während des REM-Schlafs aufgehoben worden war.

Die Forschenden bezeichneten dieses Verhalten als oneirisches Verhalten, also traumähnliches Verhalten.

Das ist ein ziemlich spannender Hinweis darauf, dass im Gehirn schlafender Katzen Vorgänge ablaufen, die mit Träumen vergleichbar sein könnten.

Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: Die Bewegungen beweisen nicht, dass die Katzen tatsächlich von einer Jagd oder einem Kampf geträumt haben. Wir können schließlich nicht in ihre Köpfe schauen und sie nach dem Aufwachen fragen, was sie erlebt haben.

Deshalb geht die Wissenschaft zwar davon aus, dass Katzen sehr wahrscheinlich träumen können, was sie dabei tatsächlich erleben, bleibt aber offen.

Können Katzen auch Albträume haben?

Wenn Katzen träumen können, liegt natürlich die Frage nahe, ob sie dabei auch unangenehme oder beängstigende Dinge erleben.

Aus neurobiologischer Sicht erscheint mir das durchaus plausibel. Schließlich sind Katzen zu Emotionen wie Angst und Furcht fähig, sie lernen aus unangenehmen Erfahrungen und können Erinnerungen an bedrohliche Situationen entwickeln.

Auch gibt es Hinweise darauf, dass emotionaler Stress den Schlaf von Katzen beeinflusst.

In einer Untersuchung aus dem Jahr 1979 setzten die Forschenden Bogoslovskiĭ und Al’bertin sieben Katzen einer starken Stressbelastung aus und untersuchten anschließend deren Schlafverhalten. Dabei zeigte sich bei sechs der sieben Katzen eine Zunahme der gesamten REM-Schlafdauer. Gleichzeitig veränderten sich auch andere Schlafphasen.

Diese Untersuchung zeigt, dass belastende Erfahrungen Auswirkungen auf die Schlafarchitektur von Katzen haben können. Sie sagt allerdings nichts darüber aus, ob die Tiere währenddessen von diesen Erfahrungen geträumt haben.

Und genau hier liegt die Grenze unseres Wissens.

Bislang gibt es keine wissenschaftliche Studie, die eindeutig nachweist, dass Katzen Albträume haben.

Es ist durchaus denkbar, dass unangenehme Erfahrungen auch in ihren Träumen eine Rolle spielen. Ob sie dabei aber tatsächlich Angst oder andere negative Emotionen erleben, können wir derzeit nicht beantworten.

Warum mein Kater so heftig reagiert haben könnte

Wenn ich jetzt an das Erlebnis mit meinem Kater zurückdenke, finde ich vor allem seine Orientierungslosigkeit nach dem Aufwachen bemerkenswert.

Er wirkte nicht einfach nur kurz erschrocken. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass er zunächst gar nicht richtig einordnen konnte, was gerade um ihn herum geschah.

Beim Menschen gibt es ein Phänomen, das als Schlaftrunkenheit bezeichnet wird. Dabei ist jemand bereits teilweise erwacht, aber noch nicht vollständig orientiert. Betroffene können verwirrt reagieren und teilweise auch Abwehrverhalten zeigen.

Ob bei Katzen vergleichbare Vorgänge auftreten, ist bislang kaum untersucht. Trotzdem könnte eine vorübergehende Desorientierung nach abruptem Erwachen eine mögliche Erklärung für sein Verhalten sein.

Vielleicht hatte mein Kater tatsächlich etwas Bedrohliches geträumt und war beim Aufwachen noch aufgeregt. Vielleicht wurde er aber auch durch einen Reiz geweckt, den ich selbst überhaupt nicht wahrgenommen habe.

Auch Schmerzen oder körperliche beziehungsweise neurologische Ursachen können plötzliches Aufschrecken und ungewöhnliches Verhalten auslösen.

Das anschließende Schnurren beweist ebenfalls keinen Albtraum. Denn Katzen schnurren nicht ausschließlich dann, wenn sie sich wohlfühlen. Auch in belastenden Situationen oder bei Schmerzen kann Schnurren auftreten. Dass es der Selbstberuhigung dient, wird diskutiert, lässt sich aber nicht in jeder Situation eindeutig feststellen.

Letztendlich kann ich also nicht wissen, was mein Kater in diesem Moment erlebt hat.

Was tun, wenn deine Katze plötzlich aus dem Schlaf aufschreckt?

Wenn deine Katze im Schlaf mit den Pfoten zuckt, die Ohren bewegt oder leise Geräusche von sich gibt, ist das zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Du musst sie deshalb nicht wecken.

Schreckt sie plötzlich auf und wirkt verängstigt oder orientierungslos, solltest du ihr erst einmal etwas Zeit geben, um sich wieder zurechtzufinden.

Auch wenn wir unsere Katzen in solchen Momenten am liebsten sofort beruhigend streicheln möchten, ist Körperkontakt nicht immer willkommen. Gerade eine erschrockene oder desorientierte Katze kann auf Berührungen abwehrend reagieren.

Achte deshalb auf ihre Körpersprache und gib ihr die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie Kontakt möchte.

Wenn solche Episoden wiederholt auftreten, deine Katze ungewöhnlich lange desorientiert bleibt oder weitere Auffälligkeiten zeigt, solltest du die Ursache tierärztlich abklären lassen. Nicht jedes ungewöhnliche Verhalten nach dem Schlafen hat zwangsläufig etwas mit Träumen zu tun.

Könnte ein Albtraum sogar einen Streit zwischen Katzen auslösen?

Während ich über das Erlebnis mit meinem Kater nachdachte, kam mir noch ein anderer Gedanke. In meiner Arbeit als Katzenverhaltensberaterin begegnen mir immer wieder Fälle, in denen sich zwei Katzen jahrelang gut verstanden haben und plötzlich nicht mehr miteinander auskommen. Manchmal reicht ein einziges erschreckendes Ereignis, um eine heftige Auseinandersetzung auszulösen.

Ein möglicher Grund dafür ist die sogenannte umgerichtete Aggression. Dabei gerät eine Katze durch einen bestimmten Auslöser in starke emotionale Erregung, beispielsweise weil sie draußen eine fremde Katze entdeckt oder durch ein lautes Geräusch erschrickt. Kann sie auf diesen Auslöser nicht direkt reagieren, kann sich ihre Aggression gegen eine andere Katze richten, die sich zufällig in ihrer Nähe befindet.

Solche Situationen können weitreichende Folgen für das Zusammenleben haben. Denn wenn die angegriffene Katze sich erschrickt und möglicherweise sogar zurückschlägt, machen plötzlich beide Katzen eine negative Erfahrung miteinander. Unter Umständen verändert sich dadurch ihre bisherige Beziehung.

Doch könnte auch ein unangenehmer Traum der Auslöser für eine solche Situation sein?

Stellen wir uns vor, zwei Katzen schlafen friedlich nebeneinander. Eine der beiden schreckt plötzlich aus dem Schlaf hoch und sie ist noch völlig aufgeregt und für einen Moment orientierungslos. Dabei spielt es zunächst gar keine Rolle, ob ein unangenehmer Traum, ein Geräusch, ein Geruch oder eine körperliche Ursache dafür verantwortlich war. In diesem Zustand nimmt sie die andere Katze wahr und reagiert mit Fauchen oder sogar einem Angriff. Die andere Katze versteht die Situation natürlich nicht und wehrt sich.

Schon könnte aus einer eigentlich friedlichen Situation ein heftiger Konflikt entstehen.

Natürlich ist das zunächst nur eine Überlegung. Es gibt bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass Albträume bei Katzen umgerichtete Aggression auslösen können. Allerdings wissen wir, dass starke emotionale Erregung zu umgerichteter Aggression führen kann und dass negative Erfahrungen die Beziehung zwischen Katzen nachhaltig belasten können.

Ich finde diesen Gedanken deshalb durchaus interessant, gerade weil sich der ursprüngliche Auslöser bei plötzlich auftretenden Katzenkonflikten nicht immer feststellen lässt. Ein Albtraum wäre allerdings nur eine von vielen denkbaren Erklärungen und sollte nicht vorschnell als Ursache angenommen werden.

Mein Fazit: Vielleicht hatte mein Kater tatsächlich einen Albtraum

Ob mein Kater an diesem Morgen einen Albtraum hatte, werde ich vermutlich nie erfahren.

Die Wissenschaft liefert uns gute Gründe für die Annahme, dass Katzen träumen können. Wir wissen auch, dass ihr Schlaf durch emotionale Belastungen beeinflusst werden kann. Ob sie allerdings unangenehme Erlebnisse in ihren Träumen noch einmal durchleben und dabei möglicherweise sogar Angst empfinden, ist bisher nicht geklärt.

Ich halte es durchaus für möglich, dass mein Kater gerade aus einem unangenehmen Traum aufgewacht ist. Genauso gut könnte es aber eine andere Erklärung für sein Verhalten geben.

Was mich an dem Erlebnis besonders beschäftigt hat, war die Frage, was während des Schlafs eigentlich im Kopf unserer Katzen vor sich geht. Denn auch wenn wir ihr Verhalten inzwischen in vielen Bereichen recht gut verstehen können, gibt es noch einiges über ihre innere Erlebniswelt zu entdecken.

Hast du bei deiner Katze schon einmal beobachtet, dass sie plötzlich aus dem Schlaf aufgeschreckt ist und sich anschließend ungewöhnlich verhalten hat? Schreib mir gerne von deinen Erfahrungen.


Wissenschaftliche Quellen

  1. Henley, K. & Morrison, A. R. (1974). A re-evaluation of the effects of lesions of the pontine tegmentum and locus coeruleus on phenomena of paradoxical sleep in the cat. Acta Neurobiologiae Experimentalis, 34(2). Zur Studie
  2. Hendricks, J. C., Morrison, A. R. & Mann, G. L. (1982). Different behaviors during paradoxical sleep without atonia depend on pontine lesion site. Brain Research, 239(1), 81–105. Zur Studie
  3. Morrison, A. R. (1993). Mechanisms underlying oneiric behaviour released in REM sleep by pontine lesions in cats. Journal of Sleep Research, 2(1), 4–7. Zur Veröffentlichung
  4. Bogoslovskiĭ, M. M. & Al’bertin, S. V. (1979). Effect of emotional stress on sleep dynamics in cats. Zhurnal Vysshei Nervnoi Deiatelnosti, 29(3), 657–665. PubMed
  5. Malinowski, J. E., Scheel, D. & McCloskey, M. (2021). Do animals dream? Consciousness and Cognition, 95, 103214. Zur Veröffentlichung
Angelina Scheer mit Katze im Arm

Autorin: Angelina Scheer

Als zertifizierte Katzenverhaltensberaterin begleite ich Katzenhalter*innen dabei, das Verhalten ihrer Katze besser zu verstehen, Problemverhalten lösungsorientiert anzugehen und den Alltag stressärmer zu gestalten. Mein Ansatz basiert auf funktionaler Verhaltensanalyse und individueller Beratung, online oder vor Ort. Auf meinem Blog teile ich praxisnahe Erklärungen und fundiertes Hintergrundwissen zu Haltung, Kommunikation und Training mit Katzen.
Mehr über mich und meine Arbeit erfährst du hier.

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