Die erste große Hitzewelle liegt hinter uns und die nächste steht bereits vor der Tür. In den vergangenen Wochen haben mich deshalb viele Kund*innen mit derselben Frage kontaktiert:
„Wie helfe ich meiner Katze bei dieser Hitze?“
Die Sorgen sind groß und das kann ich gut verstehen.
Viele Halter*innen haben bereits sämtliche Tipps ausprobiert, die momentan auf Instagram, Facebook oder in verschiedenen Ratgebern kursieren. Kühlmatten wurden gekauft, gefrorene Schleckies angeboten, kalte Umschläge ausprobiert oder andere Kühlmöglichkeiten geschaffen. Doch die Halter sind meist verzweifelt, weil ihre Katzen diese Angebote nicht annehmen. Anstatt auf der Kühlmatte oder den kalten Fliesen liegen die Katzen ganz matt ausgestreckt auf dem Teppich, dem Sofa oder sogar noch in der Sonne. Die Katzen verschlafen fast den ganzen Tag und fressen auch deutlich weniger. Für viele Halter wirkt es so, dass die Katzen unter der Hitze stark leiden würden.
Freigängerkatzen machen ihren Halter*innen oft noch größere Sorgen. Meine drei Kater sind dafür ein gutes Beispiel. An besonders heißen Tagen verbringen sie häufig fast den gesamten Tag draußen und kommen mit etwas Glück ein oder zwei Mal zum Fressen nach Hause. Einige Katzen sind gerne auch mal mehrere Tage unterwegs ohne heim zu kommen. Viele fragen sich: Warum schlafen sie tagsüber nicht im kühleren Haus? Soll ich sie lieber drinnen behalten?
Gleichzeitig begegnen einem in den sozialen Medien zahlreiche Warnungen. Dort wird teilweise vermittelt, Katzen würden selbst gar nicht merken, wenn ihnen zu heiß wird. Wir müssten deshalb aktiv eingreifen und sie möglichst intensiv kühlen. Hersteller werben mit speziellen Kühlmatten und anderen Produkten, die angeblich unverzichtbar seien.
Da mich dieses Thema in den letzten Wochen so häufig erreicht hat und ich gemerkt habe, wie groß die Unsicherheit ist, möchte ich heute etwas Aufklärung schaffen. Ich möchte mit einigen Mythen aufräumen, euch die Sorgen etwas nehmen und erklären, was bei Hitze tatsächlich normal ist, wann Vorsicht geboten ist und wie ihr eure Katze wirklich sinnvoll unterstützen könnt.
Katzen sind an Wärme besser angepasst als wir Menschen
Wenn wir bei 30 Grad bereits erschöpft auf dem Sofa liegen, übertragen wir dieses Empfinden oft automatisch auf unsere Katzen.
Dabei unterscheiden sich unsere Voraussetzungen erheblich.
Unsere Hauskatzen stammen von der Afrikanischen Falbkatze ab, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet trockene und oft sehr warme Regionen Nordafrikas sowie des Nahen Ostens umfasst. Über viele tausend Jahre haben sich Katzen an genau solche Lebensräume angepasst.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Katzen extreme Hitze unbegrenzt aushalten können. Es erklärt aber, warum gesunde Katzen mit sommerlichen Temperaturen häufig deutlich besser zurechtkommen, als viele Menschen vermuten.
Interessanterweise liegt die thermoneutrale Zone bei gesunden, ausgewachsenen Katzen gemäß dem National Research Council bei etwa 30 bis 38 °C. Innerhalb dieses Temperaturbereichs ist der Stoffwechsel der Katze im absoluten Ruhezustand. Sie muss keine zusätzliche Energie aufwenden (wie Muskelzittern oder Stoffwechselsteigerung), um ihre Körpertemperatur zu halten, und gerät umgekehrt auch noch nicht in Hitzestress (wie Hecheln).
Für uns angenehm empfundene 20 bis 23 °C sind für Katzen daher eigentlich zu kühl und sie suchen deshalb instinktiv nach externen Wärmequellen, wie Heizungskörpern, sonnigen Fensterbänken, Laptops oder dem Schoß ihrer Besitzer, um ihren Energiebedarf für die Wärmeregulierung zu senken. Kein Wunder also, dass viele Katzen die warmen Sommer so lieben. Ich merke jeden Sommer, wie gut es meinen Katern bei über 30 Grad geht.
Warum liegt meine Katze total matt ausgestreckt auf dem Boden?
Genau dieses Verhalten bereitet vielen Halterinnen Sorgen. Tatsächlich handelt es sich aber meist um eine völlig normale Anpassung an warme Temperaturen. Wenn es kühler ist, rollen sich Katzen zu einer Kugel zusammen, um ihre Körperoberfläche zu verkleinern und Wärme zu speichern. In ihrer thermoneutralen Zone (also ab ungefähr 30°C) schlagen sie das genaue Gegenteil ein: Sie strecken sich so lang wie möglich aus , oft flach auf der Seite liegend. Dadurch maximieren sie die Hautoberfläche, die Wärme an die Umgebung oder den Boden abgeben kann. Es ist ihre effizienteste Methode, um die Körpertemperatur stabil zu halten.
Auch das viele Schlafen ist kein Grund zur Sorge. Dass Katzen bei Hitze so extrem viel schlafen und träge wirken, liegt daran, dass ihr Körper null Widerstand leisten muss. Bei unserer normalen Wohnungstemperatur von 18 bis 25 Grad muss der Stoffwechsel der Katze die ganze Zeit im Hintergrund leicht „mitfeuern“, um die Körpertemperatur von 38,5 Grad zu halten. In der thermoneutralen Zone übernimmt nun aber die Umgebungstemperatur die Arbeit. Der Stoffwechsel der Katze fährt auf das absolute Minimum (den Grundumsatz) herunter. Ihr Körper spart maximal Energie. Diese extreme Energiesparphase sieht für uns Menschen aus wie Erschöpfung, ist für die Katze aber pure, mühelose Entspannung.
Solange deine Katze aber einfach nur wie ein flüssiger Teppich in der Sonne oder auf dem Boden liegt, genießt sie einfach den biologischen Luxus, dass ihr Körper gerade absolut gar nicht arbeiten muss. In den kühleren Abendstunden oder nachts werden viele Katzen erst wieder aktiver.
Auch ein geringerer Appetit ist im Sommer völlig normal. Die Verdauung erzeugt ebenfalls Wärme. Viele Katzen fressen deshalb tagsüber kleinere Portionen und holen einen Teil ihrer Mahlzeiten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden nach.
Warum bleiben viele Freigänger bei Hitze den ganzen Tag draußen?
Diese Frage höre ich besonders häufig und auch ich habe mich früher darüber gewundert. Aus menschlicher Sicht erscheint das kühlere Wohnzimmer mit 25 Grad deutlich angenehmer als ein Garten bei über 30 Grad.
Katzen nehmen ihre Umgebung jedoch anders wahr. Draußen können sie selbst entscheiden, wo sie sich aufhalten möchten. Sie wechseln zwischen Sonne und Schatten, suchen kühle Erde unter Büschen, dicht bewachsene Bereiche, Kellerabgänge oder andere geschützte Plätze mit Luftbewegung. Sie können ihre Aufenthaltsorte flexibel anpassen und genau das ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Thermoregulation. Im Haus gibt es zwar häufig kühlere Räume, aber nicht immer die vielfältigen Möglichkeiten, zwischen unterschiedlichen Mikroklimata zu wählen.
Dazu kommt auch, dass es im Sommer draußen einfach super spannend ist. Überall summt und surrt es, die Vögel in den Bäumen und Eidechsen im Gebüsch. Dazu kommen die verschiedensten Gerüche. Bei all diesen Reizen draußen, ist es in der Wohnung viel zu langweilig. Für die Katzen ist es einfach die schönste Zeit des Jahres.
Solange deine Freigängerkatze gesund ist, regelmäßig nach Hause kommt, frisst, trinkt und keine Auffälligkeiten zeigt, besteht also meist kein Grund, sie aus Sorge einzusperren. Im Gegenteil. Nimmst du ihr diese Wahlmöglichkeit, kann das zusätzlichen Stress verursachen. Wichtig ist, dass sie jederzeit Zugang zu luftigen Schattenplätzen und Wasser hat. Optimal ist es, wenn die Katze jederzeit selbstständig (z.B. durch eine Katzenklappe) wieder in Haus gehen kann.
Wie kühlen sich Katzen eigentlich selbst ab?
Unsere Katzen besitzen nur an den unbehaarten Pfotenballen Schweißdrüsen. Da diese Fläche aber winzig ist, reicht das Schwitzen über die Pfotenballen alleine nicht aus, um den Körper abzukühlen. Sie nutzen zur Abkühlung eine Kombination aus physikalischen Tricks, Verhaltensanpassungen und eingebauten „Klimaanlagen“.
- Wärmeableitung durch Liegen: Wie schon erwähnt strecken sich Katzen lang auf kühleren Oberflächen (wie z.B. Fliesen, Parkett oder Steinböden) aus. Diese Wärmeleitung wird physikalisch als Konduktion bezeichnet. Die Köperwärme wandert direkt in den kühleren Boden.
- Das Fell wirkt isolierend: Das Fell schützt Katzen nicht nur vor Kälte, sondern bis zu einem gewissen Grad auch vor Hitze. Es fängt die kältere Luft nahe der Haut ab und blockiert die direkte Sonneneinstrahlung. Deshalb sollte man Katzen im Sommer (außer aus medizinischen Gründen bei extrem verfilzten Langhaarkatzen) auch nicht scheren, da ihnen sonst dieser natürliche Hitzeschild fehlt.
- Speichel-Klimaanlage (Verdunstungskälte): Da Katzen keine Schweißdrüsen am Körper haben, imitieren sie das Schwitzen einfach: Sie lecken ihr Fell intensiv ab. Wenn der Speichel auf den Haaren verdunstet, entzieht dieser Prozess dem Körper Wärme, genau wie unser Schweiß auf der Haut. Dieser Mechanismus ist zwar längst nicht so effektiv wie das Schwitzen beim Menschen, unterstützt die Temperaturregulation aber zusätzlich.
Wann Hitze tatsächlich gefährlich werden kann
Auch wenn gesunde Katzen mit Wärme erstaunlich gut umgehen können, gibt es Situationen, in denen das Risiko deutlich steigt.
Besonders aufmerksam solltest du sein bei:
- Kitten
- sehr alten Katzen
- stark übergewichtigen Katzen
- Katzen mit Herz oder Lungenerkrankungen
- brachyzephalen (sehr kurznasigen) Rassen wie Persern oder Exotic Shorthair
- Katzen mit Fieber
- Katzen, die sich kaum bewegen können
- Tieren, die keinen Zugang zu frischem Wasser oder schattigen Rückzugsorten haben
- Die Temperaturen über 39 Grad ansteigen
Beachte außerdem: Katzen vertragen sehr gut trockene Hitze. Kommt jedoch zusätzlich eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine geringe Luftzirkulation zusammen, verliert die Katze ihre mit Abstand wichtigste Waffe gegen die Hitze: die Verdunstungskälte. Wenn die Luft bereits mit Feuchtigkeit gesättigt ist (hohe Luftfeuchtigkeit), kann sie kaum noch zusätzlichen Wasserdampf aufnehmen. Der Speichel auf dem Fell verdunstet nicht mehr, sondern bleibt einfach nass auf den Haaren sitzen. Der wichtigste körpereigene Kühlmechanismus der Katze ist damit wirkungslos. Fehlt die Zirkulation, sitzt die Katze quasi in ihrer eigenen, heißen Dunstglocke. Dies kann schnell in Wintergärten, Dachwohnungen oder geschlossenen Räumen zur Hitzefalle für Katzen werden
Woran erkennst du einen Hitzschlag?
Ein Hitzschlag ist ein tiermedizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden!
Achte auf diese Warnsignale:
- starkes, anhaltendes Hecheln (mit offenen Maul wie ein Hund)
- Starkes speicheln oder zittern
- Unruhe und ständiges Wechseln des Platzes, um Kühle zu finden
- schnelle, angestrengte Atmung
- deutliche Schwäche oder Apathie
- Orientierungslosigkeit oder Taumeln
- Erbrechen
- sehr dunkelrote oder später blasse Schleimhäute
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit
Zeigt deine Katze solche Symptome, solltest du unverzüglich eine Tierarztpraxis oder Tierklinik aufsuchen. Kühle deine Katze während des Transports vorsichtig. Eine schockartige Abkühlung mit eiskaltem Wasser sollte vermieden werden, da der Körper dadurch zusätzlich belastet werden kann.
Arthrose und Sommer: Eine spürbare Erleichterung
Weißt du, was ein wunderbarer Effekt für viele Katzen mit Arthrose ist? An warmen Tagen geht es ihnen oft spürbar besser. Gerade bei Gelenkbeschwerden kann das ein großer Vorteil sein: Wärme entspannt die Muskulatur, fördert die Durchblutung und sorgt dafür, dass sich steife Gelenke oft etwas geschmeidiger anfühlen. Dadurch fällt vielen Katzen das Aufstehen, Laufen oder Springen leichter.
Bei meinem Kater Diego sehe ich das gerade ganz deutlich. Er hat Arthrose, und im Moment geht es ihm richtig gut. An warmen Sommertagen wirkt er viel beweglicher, läuft flüssiger und macht insgesamt einen deutlich entspannteren Eindruck. Man merkt ihm einfach an, dass ihm die Wärme guttut.
Typische Mythen
Mythos 1: Die Katze merkt selbst nicht, wann ihr zu warm ist
Diesen Satz habe ich schon öfters in Social Media Posts oder in der Werbung von Kühlmatten gelesen. Dies ist ein absoluter Social-Media-Mythos und biologisch gesehen kompletter Unsinn! Diese Aussage ist ein perfektes Beispiel für den „Alarmismus“, der auf TikTok, Instagram und Co. verbreitet wird, um Klicks, Kommentare und Verkäufe zu generieren.
Wenn Katzen nicht merken würden, wann ihnen zu warm ist, wären sie als Wüstentiere schon vor Jahrtausenden ausgestorben. Ihr gesamtes Überleben hing und hängt davon ab, dass ihr Gehirn die Körpertemperatur extrem präzise überwacht. Katzen besitzen, genau wie Menschen und alle anderen Säugetiere, ein hocheffizientes Kontrollzentrum im Gehirn: den Hypothalamus. Der Hypothalamus merkt schon minimale Temperaturveränderungen von Bruchteilen eines Grades. Sobald die Temperatur die Wohlfühlzone nach oben verlässt, schlägt das Gehirn Alarm und löst automatisch Verhaltensänderungen aus.
Mythos 2: Kühlmatten sind notwendig
Wir haben ja bereits gelernt, dass Katzen die Wärme lieben und auch diese bevorzugen. Wenn es ihnen doch zu warm wird, suchen sie sich luftige, schattige Plätze und einen Untergrund, welcher etwas kühler als die Außentemperatur ist. Das heißt, dass 26 Grad „warme“ Fußböden für die Katzen bereits einen kühlenden Effekt haben. Eine teure Kühlmatte ist also gar nicht notwendig. Unsere Fußböden sind in der Regel ausreichend und entziehen der Katze nicht zu schnell die Körpertemperatur.
Dass Katzen teure, extra gekaufte Kühlmatten eisig ignorieren und sich stattdessen lieber auf den harten Fliesenboden daneben legen, ist also kein reiner Eigensinn, sondern hat handfeste biologische Gründe.
Leider ist die Werbung von Kühlmatten gerade in Social Media Kanälen sehr präsent. Dort wird häufig mit Ängsten gespielt und die Matten werden nicht selten zu deutlich überhöhten Preisen verkauft. In der Praxis mögen viele Katzen die kalte Oberfläche und den chemischen Geruch jedoch nicht.
Eine Kühlmatte kann aber vor allem für ältere, kranke, übergewichtige, besonders hitzeempfindliche Katzen sowie in Dachgeschosswohnungen mit hoher Luftfeuchtigkeit sinnvoll sein.
Mythos 3: Nasse Handtücher aufhängen
Das Aufhängen von nassen Handtüchern ist ein gut gemeinter Ratschlag aus der Humanmedizin, der im Internet ungefiltert für Haustiere übernommen wird. Bei Katzen bewirkt dieser Trick im Sommer jedoch oft genau das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte. Er kann die Situation für das Tier sogar verschlimmern.
Wie du jetzt weißt, ist eine hohe Luftfeuchtigkeit der absolute Erzfeind der Katze im Sommer. Wenn du nasse Handtücher aufhängst, machst du den Raum künstlich schwül. Die Luft ist dann so voller Feuchtigkeit, dass die Katze ihren Speichel nicht mehr auf dem Fell verdunsten lassen kann. Ihre wichtigste „körpereigene Klimaanlage“ wird blockiert.
Für uns Menschen mag sich die Luft durch den minimalen Kühleffekt kurz erfrischender anfühlen (weil wir am ganzen Körper schwitzen und uns Windzug hilft), für die Katze verwandelt sich der Raum dadurch aber eher in ein unangenehmes Dampfbad.
Es sollte demnach eher versucht werden die Luftfeuchtigkeit im Raum zu senken (z. B. durch Klimaanlage/Luftentfeuchter).
Mythos 4: Gefrorene Schleckpaste anbieten
Selbstgemachtes „Katzen-Eis“ oder eingefrorene Schleckpasten sind im Sommer ein riesiger Trend auf Social Media. Die Videos sehen niedlich aus, aber aus tierärztlicher und biologischer Sicht ist hier große Vorsicht geboten, denn dies kann zu Magen-Darm-Problemen führen. Was für uns Menschen als Eis am Stiel die perfekte Abkühlung ist, kann dem empfindlichen Magen einer Katze ziemlich zusetzen.
Außerdem ist das Füttern von kalten Snacks zur Abkühlung rein physikalisch und stoffwechselbiologisch eher kontraproduktiv. Da die inneren Organe einer Katze stabil auf einer Körperkerntemperatur von etwa 38,5 Grad gehalten werden müssen, registriert das Gehirn kalte Nahrung im Magen sofort als gefährlichen Temperatursturz. Um gegenzusteuern, fährt der Körper den Stoffwechsel hoch und verbrennt aktiv Energie, um das Futter im Mageninneren aufzuheizen. Durch diese zusätzliche Stoffwechselaktivität wird im Inneren des Körpers jedoch erst recht Wärme erzeugt, genau der gegenteilige Effekt von dem, was man an heißen Sommertagen eigentlich erreichen möchte.
Was hilft wirklich?
Die beste Unterstützung besteht häufig darin, der Katze möglichst viele Wahlmöglichkeiten anzubieten.
Dazu gehören:
- Nassfutter statt ausschließlich Trockenfutter
- Schattige Rückzugsorte
- Morgens und nachts gut lüften und tagsüber die Fenster geschlossen halten
- Halte tagsüber konsequent Rollos und Vorhänge geschlossen, um die Strahlungswärme der Sonne draußen zu halten
- Kühle Liegeflächen zugänglich lassen
- Spiel- und Trainingseinheiten auf die Abendstunden verlegen
- Bei Freigängern jederzeit Zugang zum Haus ermöglichen
- Ventilator aufstellen, welcher jedoch niemals direkt auf die Katze gerichtet werden sollte
- Feuchte deine Hände oder ein Waschtuch ganz leicht mit zimmertemperiertem Wasser an und streichle die Katze damit. Das imitiert das Putzen und sorgt sofort für schadlose Verdunstungskälte auf dem Fell, ohne den Raum schwül zu machen.
- Bürste lose Unterwolle gründlich aus. Je weniger totes Haar im Fell sitzt, desto besser kann die Luft zirkulieren und desto effizienter erreicht der Speichel beim Putzen die Haut.
Trinken? Das war für Katzen schon immer Nebensache
Viele Halterinnen und Halter beobachten im Sommer ganz genau, wie viel ihre Katze trinkt und machen sich Sorgen, wenn sie nur selten am Wassernapf zu sehen ist. Das ist grundsätzlich verständlich, allerdings trinken Katzen von Natur aus deutlich weniger als wir Menschen oder auch Hunde.
Der Grund liegt in ihrer Herkunft. Die Vorfahren unserer Hauskatzen lebten in trockenen Regionen, in denen Wasser nicht jederzeit verfügbar war. Im Laufe der Evolution haben Katzen gelernt, ihren Flüssigkeitsbedarf zum großen Teil über ihre Beutetiere zu decken. Eine Maus besteht beispielsweise zu etwa 70 bis 75 Prozent aus Wasser. Frisst eine Katze überwiegend Beutetiere oder Nassfutter, nimmt sie deshalb bereits einen großen Teil der benötigten Flüssigkeit über das Futter auf.
Das erklärt auch, warum viele Katzen nur selten am Wassernapf zu beobachten sind. Entscheidend ist also nicht, wie oft deine Katze trinkt, sondern ob sie insgesamt ausreichend Flüssigkeit aufnimmt.

Gerade an heißen Sommertagen kannst du sie dabei ganz einfach unterstützen:
- Mische ein bis zwei Esslöffel lauwarmes Wasser unter das Nassfutter. Viele Katzen akzeptieren das problemlos und nehmen so ganz nebenbei mehr Flüssigkeit auf.
- Wenn deine Katze Schleckcremes oder Schleckpasten als Belohnung mag, kannst du diese ebenfalls mit etwas lauwarmem Wasser verdünnen. So entsteht eine Art „Katzensuppe“, die von vielen Katzen gerne angenommen wird.
- Gehe dabei jedoch schrittweise vor. Wird das Futter oder die Schleckpaste zu stark verdünnt, lehnen viele Katzen sie plötzlich komplett ab. Es ist deshalb sinnvoll, die Wassermenge langsam zu steigern und auszuprobieren, was deine Katze akzeptiert.
- Stelle mehrere Wassernäpfe an unterschiedlichen Orten auf. Manche Katzen trinken lieber unterwegs als direkt neben ihrem Futterplatz.
- Einige Katzen bevorzugen Trinkbrunnen oder breite, flache Näpfe, bei denen die Schnurrhaare den Rand nicht berühren.
- Biete täglich frisches Wasser an und reinige die Näpfe regelmäßig. Katzen reagieren oft empfindlich auf Gerüche oder Ablagerungen.
Übrigens bedeutet häufiges Trinken nicht automatisch, dass deine Katze besonders gut mit der Hitze zurechtkommt. Nimmt sie plötzlich deutlich mehr Wasser auf als sonst oder beginnt sie ungewöhnlich viel zu trinken, solltest du das tierärztlich abklären lassen. Hinter einem gesteigerten Durst können auch Erkrankungen wie eine chronische Nierenerkrankung oder Diabetes mellitus stecken.
Fazit
Wenn wir unsere Katzen im Sommer beobachten, beurteilen wir ihr Verhalten häufig aus unserer menschlichen Perspektive. Eine Katze, die ausgestreckt auf den Fliesen liegt, den ganzen Tag schläft oder weniger frisst, wirkt auf uns schnell erschöpft oder überfordert. Tatsächlich handelt es sich bei gesunden Katzen in vielen Fällen um ganz normale Strategien, um mit hohen Temperaturen umzugehen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Hitze harmlos ist. Besonders junge, alte oder kranke Katzen benötigen unsere Aufmerksamkeit und in bestimmten Situationen kann hohe Wärme durchaus gefährlich werden. Gleichzeitig müssen wir aber nicht jede Katze aktiv kühlen oder jedes ungewöhnlich ruhige Verhalten als Notfall interpretieren.
Die beste Unterstützung besteht oft darin, die natürlichen Fähigkeiten der Katze nicht zu unterschätzen. Statt möglichst viele Kühlmaßnahmen auszuprobieren, ist es sinnvoller, für frisches Wasser, schattige Rückzugsorte und eine angenehme Umgebung zu sorgen und der Katze die Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, was ihr guttut. Wer seine Katze aufmerksam beobachtet und zwischen normalem Anpassungsverhalten und echten Warnsignalen unterscheiden kann, hilft ihr an heißen Sommertagen meist am meisten. Das spart auch überteuerte Kühlmatten 😉
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Vielleicht hat dich dieser Artikel beruhigt und du erkennst deine Katze in vielen der beschriebenen Verhaltensweisen wieder. Falls du aber das Gefühl hast, dass hinter den Veränderungen mehr steckt oder deine Katzen sich zunehmend aus dem Weg gehen, streiten oder sich zurückziehen, lohnt sich ein genauer Blick. Gerade im Mehrkatzenhaushalt werden Konflikte oft erst durch äußere Faktoren wie die Sommerhitze sichtbarer, obwohl ihre Ursachen ganz woanders liegen. Gemeinsam finden wir heraus, was hinter dem Verhalten deiner Katzen steckt und entwickeln einen individuellen Lösungsweg.
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